Mehr Unterstützung für pflegende Angehörige

30 Juli 2021

Durch ein neues Bundesgesetz wird die Vereinbarkeit von Arbeit und Angehörigenbetreuung verbessert. Durch das neue Gesetz haben pflegende Angehörige seit Januar 2021 Anspruch auf einen bezahlten Kurzurlaub sowie AHV-Betreuungsgutschriften.

Willkommene Entlastung für berufstätige pflegende Angehörige

Pflegende Angehörige sind seit langem ein Pfeiler unseres Gesundheitssystems. In der Schweiz belaufen sich die indirekten Kosten der Krankheit Demenz, d.h. der monetäre Wert der Betreuungs- und Pflegeleistungen, die von pflegenden Angehörigen unentgeltlich erbracht werden, auf schätzungsweise 5,5 Milliarden Franken pro Jahr. Neben den Pflegeaufgaben übernehmen die Angehörigen auch vielfältige weitere Aufgaben wie Haushalts- oder Fahrdienste und leisten sowohl psychologische als auch soziale Unterstützung. Gleichzeitig gehören auch weniger sichtbare, aber ebenso wichtige Aufgaben wie Zeit für Spaziergänge, Diskussionen, die Zubereitung von Mahlzeiten, Hilfe bei Entscheidungen oder bei der Pflege von Sozialkontakten zu ihrem Alltag als Betreuungspersonen.

Im Laufe der letzten Jahre ist die Problematik vermehrt in das öffentliche Bewusstsein gerückt. Heute ist es ein wichtiges Anliegen, die Situation der Angehörigen, die Pflege und Beruf vereinbaren, zu verbessern.

Seit 1. Januar 2021 ist es nun auch gesetzlich festgelegt: Mehrere Gesetzesänderungen verbessern die Situation von berufstätigen Angehörigen, die eine Person mit Demenz betreuen.

Gesetzlich festgehaltener Kurzurlaub

Arbeitgeber sind verpflichtet, seinen Arbeitnehmenden einen bezahlten Urlaub zur Pflege kranker oder verunfallter Familienmitglieder oder Lebenspartnerinnen bzw. Lebenspartner zu gewähren. Der Urlaub beträgt höchstens drei Tage pro Ereignis und maximal zehn Tage pro Jahr.

Bisher gewährten nur einzelne Arbeitgeber ihren Arbeitnehmenden einen Betreuungsurlaub zur Pflege von Angehörigen oder Nahestehenden, in vielen Unternehmen war diese Möglichkeit nicht vorgesehen. Zudem wurden diese Pflegeurlaube nur teilweise bezahlt. Die neue Regelung bietet Arbeitnehmenden, die einen bezahlten Urlaub beziehen möchten, einen gewissen Rechtsschutz.

Auch wenn diese Verbesserung sehr erfreulich ist, ist sie doch nur der erste Schritt, um den vielfältigen täglichen Herausforderungen Rechnung zu tragen, die mit der Betreuung und Pflege einer Person mit einer Demenzerkrankung verbunden sind. Bei berufstätigen pflegenden Angehörigen handelt es sich oft um den Partner oder die Partnerin, häufig aber auch um die eigenen Kinder, die neben dem Beruf auch die Pflege und die Familie unter einen Hut bringen müssen. Während mehrere Nachbarländer lange Betreuungsurlaube gewähren, gibt es in der Schweiz nur einen Kurzurlaub von höchstens drei Tagen pro Ereignis – ein Tropfen auf den heissen Stein bei der Betreuung einer Person mit einer chronischen, fortschreitenden Krankheit.

Angesichts der grossen Opfer, die pflegende Angehörige im Privatleben und im Beruf erbringen, setzt sich Alzheimer Schweiz für ihre stärkere finanzielle und persönliche Unterstützung ein, sodass sie in der Lage sind, langfristig Betreuungsaufgaben auszuüben.

Ausweitung der Betreuungsgutschriften

Damit mehr pflegebedürftige Personen zuhause leben können, wird der Anspruch auf Betreuungsgutschriften in der AHV ausgeweitet. Betreuende Angehörige erhalten diese Gutschrift, wenn die pflegebedürftige Person eine Hilflosenentschädigung leichten Grades bezieht. Auch Lebenspartnerinnen und Lebenspartner haben Anrecht, wenn das Paar seit mindestens fünf Jahren im gleichen Haushalt lebt.
Aktuelle und zukünftige Herausforderungen

Durch die Covid-19 Pandemie haben sich gewisse Probleme der pflegenden Angehörigen verschärft. Da die üblichen Unterstützungsangebote wie Betreuungsgruppen oder Tagesstätten ihre Leistungen reduzieren mussten, sehen sich pflegende Angehörige zurzeit gezwungen, zusätzliche Pflege- und Betreuungsaufgaben zu übernehmen. Die Quarantäne- und Isolationsregeln haben ihre Aufgabe zusätzlich erschwert. Doch die aktuelle, weltweite Krise hat auch positive Auswirkungen: Viele solidarische Initiativen wie die Lieferung von Lebensmitteln, Einkauf-Lieferdienste, Freiwilligendienste oder Telefonketten wurden ins Leben gerufen und haben ein Bewusstsein dafür geschaffen, was die Betreuung einer pflegebedürftigen Person konkret bedeutet.

Auch in den kommenden Jahren wird die Betreuung von Menschen mit Demenz immer komplexer werden. Neben der demografischen Alterung stehen zusätzliche Herausforderungen an, wie beispielsweise der Fachkräftemangel im Gesundheitsbereich, Sparmassnahmen im Gesundheitswesen oder die Tendenz zu kleineren Haushalten und die damit einhergehende sinkende Anzahl an Personen, die bereit sind, ihre Angehörigen zu pflegen.

Angesichts dieser Herausforderungen setzt sich Alzheimer Schweiz weiterhin für die Verbesserung der Situation von Angehörigen demenzkranker Personen ein und engagiert sich unter anderem für die Verlängerung des aktuell gewährten Betreuungsurlaubs sowie für Rehabilitationsmöglichkeiten, zusätzliche Ausbildungen und die Ausweitung der Finanzierung von Assistenzleistungen anhand einer Betreuungszulage für Angehörige. Diese Verbesserungen des heutigen Systems sind notwendig, um die Angehörigen gezielt und wirksam zu unterstützen, sodass sie in der Lage sind, ihre Leistungen langfristig zu erbringen und die professionellen Assistenzdienste zu entlasten.

Dieser Artikel ist im Original in der auguste, April 2021 erschienen.

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