Mundgesundheit bei Demenz

12 Juli 2021

Wie wirkt sich Demenz auf die Mundhygiene aus? Forschende der Universität Zürich wollen wissen, wie es um die Mundgesundheit bei Menschen mit und ohne Demenz steht. Dafür wurden 120 Personen ab 60 Jahren untersucht. Die Studie zeigt, dass Menschen mit Demenz eine schlechtere Mundgesundheit haben als Personen ohne Demenz.

In ihrer Studie haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Zürich untersucht, ob eine Verschlechterung der kognitiven Fähigkeiten einen negativen Einfluss auf die Mundgesundheit hat. Unter diesem Begriff werden unter anderem die Anzahl der Zähne, die mit Karies, Plaque, Zahnstein befallen sind, oder der Sanierungsgrad der Zähne zusammengefasst.

Einen weiteren Fokus legten die Forschenden auf die Kaukraft und die Kaueffizienz bei Menschen mit und ohne Demenz. Die Kaukraft bezeichnet die physiologisch maximal mögliche Kraft der Person zur Zerkleinerung einer Nahrung. Um diese zu messen, muss der Proband mehrere Male auf jeder Backenseite auf ein Messgerät beissen. Die Kaueffizienz ist die objektiv messbare Kauleistung, also den Zerkleinerungsgrad innerhalb einer vorgegebenen Zeit. Dazu erhalten die Testpersonen einen zweifarbigen Kaugummi und müssen diesen 20-mal zerkauen. Anschliessend wird ausgewertet, wie stark sich die beiden Farben vermischt haben.

Die Gründe für eine Abnahme der Mundgesundheit bei Demenz sind vielfältig. Nimmt bei einer Demenzerkrankung die Selbstständigkeit einer Person ab, putzt sie sich beispielsweise, im Unterschied zu früher, weniger regelmässig die Zähne. Auch Zwischenmahlzeiten ohne nachfolgende Pflege können negative Auswirkungen auf die orale Gesundheit haben. Zudem reduzieren Menschen mit einer Demenzerkrankung häufig die Besuche bei der Zahnärztin oder dem Dentalhygieniker, was sich wiederum negativ auf die Mundgesundheit auswirken kann.

Um den Zusammenhang zwischen Demenz und der Mundgesundheit zu untersuchen, haben Frau Dr. med. dent. Julia Jockusch und Frau Prof. Ina Nitschke zwischen Januar 2018 und November 2020 120 Personen untersucht. Alle Studienteilnehmenden waren mindestens 60 Jahre alt und mussten am Anfang der Studie einen Test ihrer kognitiven Fähigkeiten machen. Aufgrund dieser Testresultate konnten die Forschenden den Schweregrad einer Demenz einordnen: keine Demenz, leichte kognitive Beeinträchtigung, leichte Demenz, moderate Demenz, schwere Demenz. In jeder Kategorie teilten die Wissenschaftler die Probanden zufällig einer Interventions- oder einer Kontrollgruppe zu. Während die Interventionsgruppe unterschiedliche Massnahmen erfuhr (z.B. Dauerrezept für eine hochfluoridhaltige Zahnpasta oder regelmässige physiotherapeutische Übungen für die Kaumuskulatur), führten die Forschenden mit den Personen in der Kontrollgruppe keine spezielle Intervention durch.

Die Studienautorinnen fanden heraus, dass Menschen mit Demenz signifikant weniger zum Zahnarzt gehen und seltener einen Dentalhygieniker aufsuchen. Ausserdem verschlechtert sich mit fortschreitender Demenz die Mundgesundheit: Demenzerkrankte haben häufiger Karies und sanierungsbedürftige Zähne als Menschen ohne Demenz. Mit Fortschreiten einer Demenzerkrankung sinkt auch die Kaueffizienz, also die Fähigkeit, mit einem Kauzyklus möglichst viel Nahrung zerkleinern oder vermischen zu können. Durch gezieltes physiotherapeutisches Training lässt sich die Kaueffizienz verbessern. Ein entsprechendes Training ist sowohl sowohl Menschen mit Demenz als auch solche ohne hilfreich. Wird das Training jedoch nicht kontinuierlich durchgeführt, verfällt der positive Effekt rasch wieder.

Julia Jockusch und ihr Team folgern aus ihren Resultaten, dass die professionellen Betreuungspersonen von Menschen mit Demenz, sowie die Angehörigen ein besonderes Augenmerk auf die Mundhygiene haben sollten. Zentrale Voraussetzung dafür sind eine entsprechend verbesserte Ausbildung von Pflegefachpersonen und eine diesbezügliche Information der angehörigen Personen. Dafür braucht es beispielsweise ein individuelles Hygienekonzept und Informationen über die Ernährung, welche gemeinsam mit dem Pflegepersonal, den Angehörigen und der Zahnärztin oder dem Zahnarzt entwickelt werden. Ausserdem fordern die Studienautorinnen mehr klinische Studien zu diesem Thema, um einzelne Zusammenhänge noch umfassender und deutlicher verstehen zu können.

Interview mit Dr. med. dent. Julia Jockusch (PDF)

Dieser Artikel ist im Original in der auguste, April 2021 erschienen.

 

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